Eigner & Skipper

Uwe Petersen im Kurzportrait

Die frühen Jahre

Da ich in Nordfriesland geboren und aufgewachsen bin, liegt die Vermutung nahe, dass ich noch vor dem Laufen das Segeln gelernt habe. Weit gefehlt, während meiner Kindheit beschränkte sich der Bezug zum nassen Element aufs Schwimmen, was ich im lokalen Sportverein intensiv betrieben habe bis hin zur Teilnahme an Landesmeisterschaften. In Nordfriesland ist es aber kaum möglich, sich der maritimen Geschichte Schleswig-Holsteins zu entziehen, so gehörten die Geschichten von Wikingern, von Klaus Störtebeker und der Hanse, von Walfängern, die ja von den nordfriesischen Inseln aus operiert haben, und alle mögliche sonstige Seefahrtsliteratur zu meinen Lieblingsbüchern.

 

Neben dem Gen fürs Schwimmen wurde mir auch eine gewisse Abenteuerlust in die Wiege gelegt, die sich aber anfangs ganz anders manifestierte. Aufs Segeln habe ich damals keinen Gedanken verschwendet, Reisen bedeutete Motorradfahren. Ab 1973 hatte ich als Student viel Zeit dafür, so führte mich die Reiselust durch ganz Europa, Jugoslawien, Griechenland, Türkei, Spanien, Frankreich und Großbritannien wurden bereist. Ach ja, gleich 1973 lernte ich in Kiel meine Frau Kathrin kennen, die meisten Reisen haben wir gemeinsam unternommen. 1976 haben wir unseren Studienort nach Freiburg verlegt, wo wir heute nach einigen beruflich bedingten Umzügen wieder wohnen. Highlights dieser Jahre waren zwei richtig große Touren, im Jahre 1978 einmal rund Nordafrika, teilweise durch die Wüste. Damals war das Wort Enduro noch nicht erfunden. 1979 habe ich es bis nach Isfahan im Iran geschafft. 1979 fassten wir dann mit einigen anderen den verwegenen Plan, mit Motorrädern von Alaska nach Feuerland zu fahren, ein Plan, der sich aber aus verschiedenen Gründen zerschlagen hat.

 

Die vernünftigen Jahre

Dann war erstmal Schluss mit lustig, Examen als Ingenieur, Eintritt in den Ernst des Lebens mit Nachwuchs setzten andere Prioritäten. Die Abenteuerlust aber blieb, anstatt das Motorradfahren ganz aufzugeben, sattelten wir auf Gespann, Motorrad mit Beiwagen, um. Darin haben wir unsere Kinder in halb Europa spazieren gefahren, selbst so schräge Sachen wie Wintercamping mit dem Motorrad haben sie, anscheinend zumindest, unbeschadet überstanden. Es folgten verschiedene berufliche Stationen mit Umzügen und letztlich Hausbau bei Freiburg. Nur vernünftig sein ging aber auch nicht.

 

Ende 2010 hat mir ein Freund eine Ingenieurstelle auf dem europäischen Raumfahrtzentrum CSG in Kourou, in Französisch-Guyana, Südamerika angeboten. Dem Lockruf der Karibik konnte ich nicht widerstehen und bin dann für knapp 2 Jahre dorthin gegangen. Ab 2013 habe ich dann in Deutschland noch ein paar Anlagenbauprojekte geleitet und beende jetzt meine beruflich Karriere.

 

Die Segelkarriere

Der alte 68-er Traum vom Aussteigen war nie ganz tot, sondern meldete sich immer wieder mal. Wohnmobil, Motorrad, Ferienhaus auf Mallorca, irgendwas würde sich schon finden. Ein Freund hat dann die Initialzündung gegeben, indem er sich ein Boot auf dem Ijsselmeer kaufte, um darauf zu leben. Beim Lesen seiner Bücher von Wolfgang Hausner und anderen Segelpionieren hat es mich dann gepackt. Die ausgefallene Südamerikatour auf einem schwimmenden Wohnmobil doch noch zu realisieren, kombiniert mit dem Ausstieg als Frührentner, das wär’s doch.

 

Ich war aber noch nie gesegelt, wie starten?? Es gibt immer Zufälle. In meinem Fall vermittelte mir ein Bekannter einen Ersttörn an Bord einer kleinen, klassischen 33“ Yacht, einer Vindö, in der dänischen Südsee. Zwei Jahre später bin ich dann noch mal an Bord dieser pinnengesteuerten Nussschale gegangen und habe den Skipper von Kiel bis Gotland begleitet. 2001 bot mir in meiner neuen Firma ein Kollege einen Platz als Crew bei einer Regatta von Ingenieuren mit 40-50“ Charteryachten an. Nachdem ich dort zweimal als Mannschaft gefahren war, wollte ich es selber wissen und erwarb im Sommer 2003 meinen Segelschein. In den folgenden Jahren habe ich als Skipper 10-mal an dieser Regatta teilgenommen, leider muss ich sagen, landete ich meist im hinteren Drittel der bis zu 70 Teilnehmer.

 

Für mich war von Anfang an klar, für meine Pläne kommt nur ein Katamaran in Frage. Um dazu brauchbare Informationen zu erhalten, wurde ich ständiger Besucher auf einschlägigen Bootsmessen. Die ausgestellten Boote sahen alle wunderschön aus, aber ich wollte praktische Erfahrungen gewinnen. Also trat ich dem Multihullverein Deutschland bei, in dem sich mehrere hundert Mehrrumpfsegler mit diversen eigenen Booten aller Typen zusammen gefunden haben. Dort konnte ich an vereinseigenen Regatten- und Treffen teilnehmen und Erfahrungen austauschen. Nebenbei habe ich mehrfach mit Freunden verschiedene Katamarane gechartert und so langsam ein Gefühl dafür entwickelt, was ich brauche, was sinnvoll ist und was für eine Weltumsegelung nicht geht. Aktuell bin ich immer noch im Verein und engagiere mich dort als Schatzmeister.

 

Um zu testen, wie ich mehrere Wochen auf See ertrage, habe ich 2007 als Crew auf einem Überführungstörn von den Kanaren nach Malaga auf einem 40“ Nautitech-Katamaran angeheuert. Wir waren mit 8 Personen 12 Tage unterwegs, beim Versuch durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer zu gelangen, hat uns 2 Tage lang ein genau von vorn kommender Sturm mit in Spitzen 40-50 Knoten Wind gezwungen, praktisch auf der Stelle hin und her zu kreuzen. Auch so etwas muss man mal erlebt haben. Der letzte Test für große Fahrt war dann eine Atlantiküberquerung von Lanzarote nach Guadeloupe im Dezember 2014 auf einem 45“ Rennkatamaran mit einer 4er-Crew ohne viel Komfort. Wegen zeitweiliger Flaute haben wir 3 Wochen benötigt.

 

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© 2018 Uwe Petersen | jabulo-sailing: Mit dem Katamaran auf Weltreise